Portrait- &

Lifestylefotografie

Käsen wie zu Gotthelfs Zeiten


Fotoreportage, Handwerk, Portrait, Käsen, Kandis Fotografie, Region Solothurn, Olten, Thal, Jeden Tag ein Abenteuer, Tradition Schweiz, Alpen

Die Vorgeschichte

Meinen Vater könnt ihr euch als Geissenpeter vorstellen. Die Sommer seiner Kindheit hat er auf der Alp im Berner Oberland verbracht, beim Käsen und Geissen hüten. Morgens in aller Herrgottsfrühe aufstehen, die Kühe melken, einen riesigen Laib Käse machen, die lustig quiekenden Säue auf ihren täglichen geheimnisvollen Ausflug in die Bergwildnis entlassen und dann ab mit den Geissen über die Bergkräuterwiese. Den Rest des Tages in der Sonne liegen, einem Grashalm zwischen den Zähnen steckend und dem Summen der Bienen lauschend. Die totale Freiheit.

Das mag euch jetzt ziemlich kitschig vorkommen - es entspringt nun einmal meinem Kinderhirn, das sich aus den Erzählungen meines Vaters dieses Bild ausgemalt hatte. In Wirklichkeit hatte ich diesen sagenumwobenen Ort noch nicht gesehen, bzw. konnte mich nicht wirklich daran erinnern. Aber für mich bedeutete er das Paradies auf Erden.

Ihr könnt euch also mein Gesicht vorstellen, als meine Eltern verkündeten, sie wollten mit unserem Austausschüler aus Paraguay in die Berghütte meines Geissenpeter-Vaters fahren. Um ihm die urchige Schweiz zu zeigen. Jawoll, ich war grün vor Neid. Erst recht, als ich erfuhr, dass der Cousin meines Vaters und seine Frau jeden Sommer auf dieser Alp verbringen und noch immer Käsen wie zu Gotthelfs Zeiten, nämlich auf dem Feuer mit einem grossen Kupfertopf - wie Miraculix seinen Zaubertrank! Meine Eltern luden mich zu meiner Erleichterung ein, mitzukommen. Ich veranstaltete einen Freudentanz.

Danke, Natalie und Ruedi, für dieses einmalige Erlebnis, ich habe euch bereits im ersten Moment in mein Herz geschlossen. Danke meinen Eltern für einen Tag in meinem Kinderfantasie-Paradies. ♥


Fotoreportage, Handwerk, Portrait, Käsen, Kandis Fotografie, Region Solothurn, Olten, Thal, Jeden Tag ein Abenteuer, Tradition Schweiz, Alpen

Tagwach!

Als wir früh morgens die Alphütte erreichen, sind Natalie und Ruedi schon längst auf den Beinen. Sie empfangen uns herzlich und zeigen uns die kleine Hütte, in der sie ihre Sommer verbringen. Sie besteht aus einem Stall, der Platz für 13 Kühe bietet, einem Mittelteil für die Kälber, der auch der Ein- und Ausgang der Hütte ist, und einem "Wohnteil": Ein kleines Zimmer mit einer gemütlichen Eckbank, das sowohl Esszimmer wie auch Stube ist und das Herzstück des Hauses: die Küche. Der ursprüngliche Schweinestall im Keller wurde zum Schlafraum umgebaut - vom Bett kann man quasi das Diemtigtal und seine umliegenden Alpen überblicken.

In der Küche brennt bereits ein Feuer in der Kochnische. Darauf wird später in einem Kupferkessel die Käsemasse in Frischkäse verwandelt, bevor daraus ein Laib Alpkäse geformt wird. Natalie erzählt, dass sie während zwei Monaten jeden Morgen einen Laib Käse produziert. Dieser Alpkäse ist aber nur für den Eigengebrauch gedacht, da sie in dieser alten Alphütte nicht für die heute geltenden hygienischen Bestimmungen eingerichtet sind. Sie hätten sich schon überlegt, dies anzupassen, aber sie wollten die Küche möglichst in ihrem Originalzustand belassen. Das würde ich wahrscheinlich auch wollen, denn ich bin noch jetzt in Ehrfurcht erstarrt: Diese Küche existiert schon seit 223 Jahren! Die kohlegeschwärzten Holzbalken sind genau dieselben, die damals an einen vom Mondkalender bestimmten Tag geschlagen wurden. Diesen Tag soll es alle drei Jahre geben, das Holz, das dann geschlagen wird sei praktisch unbrennbar. Habakuk für die meisten modernen Menschen - und doch sind die Balken dieser Küche kein bisschen morsch oder angebrannt.

Natalie mag die Tradition - die gelernte Gärtnerin hat das Handwerk des Käsens von ihren Schwiegereltern gelernt und geniesst die aufwändige Arbeit. Sie ist stolz, dass man mit einfachen Mitteln einen hervorragenden Käse gewinnen kann und will das alte Handwerk pflegen. Einzig ein Rührwerk hat sie von einem findigen Tüftler im Nachbardorf bauen lassen. Ein Scheibenwischermotor treibt den Propeller an und erlöst die Hausherrin von einer halben Stunde Käsemasse rühren. Den ganzen Prozess, wie ein Käse entsteht, zeigt sie uns Schritt für Schritt in den darauffolgenden Stunden.


Fotoreportage, Handwerk, Portrait, Käsen, Kandis Fotografie, Region Solothurn, Olten, Thal, Jeden Tag ein Abenteuer, Tradition Schweiz, Alpen


Fotoreportage, Handwerk, Portrait, Käsen, Kandis Fotografie, Region Solothurn, Olten, Thal, Jeden Tag ein Abenteuer, Tradition Schweiz, Alpen


Fotoreportage, Handwerk, Portrait, Käsen, Kandis Fotografie, Region Solothurn, Olten, Thal, Jeden Tag ein Abenteuer, Tradition Schweiz, Alpen